
Blutegeltherapie
Die Blutegeltherapie ist ein sehr altes Naturheilverfahren, welches seit knapp 3000 Jahren Anwendung findet.
Der Speichel des Blutegels ist eine regelrechte Apotheke an diversen Wirkstoffen und wirkt wahre Wunder.
Einige der Inhaltsstoffe sind unter anderem:
- Hirudin, Calin und Faktor Xa-Hemmer und Bdellin wirken gerinnungshemmend. Ein Egelbiss blutet bis zu 24 Stunden nach. Durch diesen verstärkten Zu- und Abfluss von Blut, werden frische Zellen regional eingebracht und somit die Heilung beschleunigt. Der "kleine Aderlass" stimuliert das Immunsystem, der Körper produziert vermehrt frisches Blut und der Stoffwechsel wird angeregt.
- Destabilase löst Blutgerinnsel auf.
- Hyaluronidase lockert das lokale Bindegewebe auf und führt zu einer erhöhten Durchblutung, gleichzeitig wirkt es antimikrobiell.
Durch diesen Prozess wird die Durchblutung insgesamt angeregt. Umliegendes Gewebe wird aufgelockert, stärker durchblutet und besser mit Nährstoffen versorgt. Gewebespannungen werden verringert. Selbst starkes Narbengewebe lässt sich hierdurch aufweichen und lässt es geschmeidiger werden. - LDTI, Antistasin und Egline wirken entzündungshemmend.
- Kinine sind Gewebshormone und wirken u.a. schmerzreduzierend. Es kommt recht schnell zu einer lokalen Schmerzlinderung in einem Radius von etwa 10 cm.
Es gibt noch 150-200 weitere Inhaltsstoffe.
Durch die Blutegelbehandlung werden sowohl der Lymphstrom, als auch der venöse Abfluss angeregt. So wird eine sofortige schmerzlindernde Wirkung erzielt. Der „kleine Aderlass“ ermöglicht eine sofortige Entlastung der Pferde.
Anwendungsbeispiele sind unter anderem:
- Gelenkerkrankungen (z.B. Schale, Spat, Arthrose)
- Erkrankungen der unteren Extremitäten (z.B. Hufrehe)
- Erkrankungen des Sehnenapparats und der Bänder (z.B. Sehnen- oder Sehnenscheidenentzündungen, Fesselträgerentzündung...)
- Gallen, Piephacke, Nackenbeulen, Schleimbeutelentzündungen
- Ekzeme (bei frühzeitiger Behandlung im Frühjahr)
- Behandlung von Narbengewebe
- Abszesse
- Hämatome
- Ödeme
- Phlegmone
- Entzündungen (z.B. Nerven, Euterentzündungen,..)
- Bisswunden
- Gelenkgallen
- Venenerkrankungen
- Wundheilungsstörungen
Behandlungsablauf:
Der Egel hat einen guten Riecher und findet daher ganz alleine die beste Bissstelle. Das Maul des Egels ist rund und mit einem Saugnapf versehen. Kleine, sternförmig angeordnete Sägezähnchen sägen sich in die Haut. Dieser Vorgang ist etwas unangenehm und oft reagieren die Pferde mit leichten Abwehrreaktionen wie kurzes Aufstampfen oder gelegentliches Schweifschlagen.
Sobald der Egel dann "sitzt" betäubt er die Bissstelle, so dass das Pferd vom Saugvorgang selbst fast nichts bemerkt.
Hat der Egel sich einmal niedergelassen, möchte er sich in Ruhe vollsaugen. Dies dauert in der Regel 20-40 Minuten. Es gibt jedoch auch Kandidaten unter den Kleinen Würmern die sich gerne Zeit lassen und erst nach 1,5 h fertig sind. Man sollte also etwas Geduld mitbringen.
Ist der Saugvorgang abgeschlossen, lässt der Egel sich abfallen. Die kleine Bisswunde blutet noch einige Stunden nach. In Ausnahmefällen kann es auch bis zu 24 Stunden nachbluten. Die Blutmenge (ca. 5-20ml) die ein Egel saugt, blutet in etwa auch nach. Dies sieht häufig schlimmer aus, als es ist. Die Blutmenge eines Pferdes beträgt ca. 10% seines Körpergewichts.
Wichtig ist jedoch, dass man im Vorfeld beachtet, dass Blutegel etwas eigensinnige sind.
Sie beißen nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen:
Egel mögen es ruhig und wohltemperiert (im Winter, wenn es den Egeln eigentlich zu kalt ist, kann man es ihnen mit Wollbandagen und anderen Tricks gemütlich machen).
Sie sind puristisch, außer Fell und Haut sollte sich nichts an der Bissstelle befinden. Das bedeutet, sie mögen weder Cremes noch Salben, sie hassen ätherische Öle, sowie irgendwelche Fliegen- oder Schweifsprays.
Hat das Pferd Knoblauch oder Teufelskralle gefressen, könnten sie sich eventuell ebenfalls zieren.
Daher gilt, mindestens 3 Tage vor der Behandlung sollte auf jegliche Zusätze von außen oder innen verzichtet werden.
Liegt ein Gewitter in der Luft, hilft selbst die beste Trickkiste nicht weiter. Bei Gewitterluft beißen die lieben Tierchen nicht an und eine Terminverschiebung oder eine alternative Behandlungsmethode sollten in Erwägung gezogen werden.
WICHTIG!
Die Blutegeltherapie darf nicht bei allen Pferden durchgeführt werden. Pferde die blutverdünnende Medikamente erhalten oder an Anämie leiden, sollten nicht geegelt werden. Zudem solltest man ein Pferd keiner Egeltherapie aussetzen, wenn es keinen stabilen Allgemeinzustand hat.
Egelbehandlungen sind nur noch nach Vorlage eines tierärztlichen Rezeptes erlaubt. Dies muss zum Termin schriftlich vorliegen.
